{"id":4194,"date":"2026-10-14T06:30:00","date_gmt":"2026-10-14T04:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/certitude.consulting\/blog\/?p=4194"},"modified":"2026-10-12T11:34:22","modified_gmt":"2026-10-12T09:34:22","slug":"kritische-schwachstellen-in-google-chrome-und-arm-gpu-treibern-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/certitude.consulting\/blog\/de\/kritische-schwachstellen-in-google-chrome-und-arm-gpu-treibern-entdeckt\/","title":{"rendered":"Kritische Schwachstellen in Google Chrome und Arm GPU-Treibern entdeckt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Florian Schweitzer, Security Researcher bei Certitude Consulting, hat zwei schwerwiegende Schwachstellen in Produkten von Google und Arm identifiziert, die denselben Angriffsvektor im GPU Software Stack betreffen, der von modernen Webbrowsern und mobilen Ger\u00e4ten verwendet wird (CVE-2026-9034 und CVE-2026-93374). Das Problem kann \u00fcber JavaScript ausgel\u00f6st werden und k\u00f6nnte einen Sandbox Escape erm\u00f6glichen. Solche Schwachstellen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass das Ger\u00e4t eines Benutzers nach dem Besuch einer Website von einem Angreifer kompromittiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entdeckung f\u00e4llt in eine Zeit tiefgreifender Ver\u00e4nderungen in der Schwachstellenforschung, die durch den Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz vorangetrieben werden.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgangspunkt seiner Forschung war die bewusste Entscheidung, nicht mit den enormen Computing-Ressourcen zu konkurrieren, die bereits f\u00fcr die Suche nach Schwachstellen in Chrome eingesetzt werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Meine Strategie war einfach: Wenn man nicht mit Googles Computing-Ressourcen konkurrieren kann, sollte man es gar nicht erst versuchen. Ich wollte Angriffsfl\u00e4chen finden, die sich nur schwer in einen Fuzzer oder einen vollst\u00e4ndig automatisierten AI-Workflow integrieren lassen: Echte Ger\u00e4te, zustandsbehaftetes Verhalten und Grenzen zwischen Systemen\u201c, erkl\u00e4rte Schweitzer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch setzte Schweitzer KI intensiv ein, um WebGPU Workloads zu generieren, automatisierte Test Harnesses und Device Instrumentation zu erstellen, Chromium zu ver\u00e4ndern und zu kompilieren, Crash-Daten zu verarbeiten und beim Reverse Engineering des propriet\u00e4ren GPU-Treibers zu unterst\u00fctzen. Anstatt die Schlussfolgerungen des Modells als Antworten zu betrachten, verwendete er jedoch einen vom \u00f6sterreichischen Philosophen Karl Popper inspirierten Prozess: Konkurrierende Hypothesen aufstellen, diese in Experimente \u00fcberf\u00fchren und versuchen, sie so fr\u00fch und kosteng\u00fcnstig wie m\u00f6glich zu falsifizieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden interessant, wenn die Kosten des Scheiterns sinken. Wenn eine Hypothese, deren \u00dcberpr\u00fcfung fr\u00fcher mehrere Wochen beansprucht h\u00e4tte, nun innerhalb weniger Stunden getestet und verworfen werden kann, k\u00f6nnen Security Researcher deutlich mehr Versuche unternehmen. Der Wettbewerbsvorteil liegt zunehmend darin, zu entscheiden, welche Fragen es wert sind gestellt zu werden, welchen Belegen man vertrauen kann und welche Ergebnisse eine weitere Stunde Untersuchung verdienen\u201c, so Marc Nimmerrichter, Managing Partner bei Certitude Consulting.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kritische Chrome-Schwachstellen im Vergleich: 2025 und 2026<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Analyse der \u00f6ffentlichen Chrome Stable Security Releases von Google durch Certitude zeigt, dass im Jahr 2025 lediglich vier kritische Chrome-Schwachstellen behoben wurden. Drei davon wurden von externen Security Researchern gemeldet, eine wurde Google zugeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zum 17. September 2026 f\u00fchrt dieselbe \u00f6ffentliche Datenbasis 179 kritische Schwachstellen auf, die im Jahr 2026 behoben wurden: 145 davon werden Google zugeschrieben und 34 externen Researchern. Externe Researcher haben damit bereits mehr als zehnmal so viele kritische Findings beigesteuert wie im Vorjahr. Gleichzeitig ist Google von einem intern zugeschriebenen kritischen Finding im Jahr 2025 auf 145 im Jahr 2026 gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/certitude.consulting\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Grafik-1024x682.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4197\" srcset=\"https:\/\/certitude.consulting\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Grafik-1024x682.png 1024w, https:\/\/certitude.consulting\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Grafik-300x200.png 300w, https:\/\/certitude.consulting\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Grafik-767x511.png 767w, https:\/\/certitude.consulting\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Grafik.png 1385w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ver\u00e4nderung f\u00e4llt mit Googles schnellem Ausbau des Einsatzes von KI in der Security Research zusammen. Im Juli beschrieb das Chrome Security Team dies als eine \u201emassive Ver\u00e4nderung in der Software Security Branche\u201c und erkl\u00e4rte, dass Large Language Models die automatisierte Entdeckung von Schwachstellen in einem Ma\u00dfstab erm\u00f6glichen, der \u00fcber traditionelle menschliche Forschung hinausgeht. Google gibt an, KI inzwischen \u00fcber den gesamten Vulnerability Lifecycle hinweg einzusetzen, einschlie\u00dflich der Suche nach, der Reproduktion, der Triage und der Behebung von Schwachstellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste von Schweitzer gemeldete Schwachstelle, CVE-2026-9034, betrifft den Arm Mali GPU Userspace Treiber. Laut der \u00f6ffentlichen Sicherheitsmeldung k\u00f6nnte ein nicht privilegierter Prozess, der g\u00fcltige GPU-Operationen \u201evia WebGL oder WebGPU\u201c ausf\u00fchrt, auf bereits freigegebenen Speicher zugreifen. Die Schwachstelle betrifft mehrere Generationen von Arm-GPU-Treibern, darunter die 5th Gen GPU-Architektur, die Grafik- und Compute-Funktionen f\u00fcr eine gro\u00dfe Bandbreite von Consumer-Ger\u00e4ten bereitstellt, darunter Smartphones, Tablets, Fernseher und Wearables.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Schwachstelle, CVE-2026-93374, betrifft Google Chrome. Google stuft sie als kritisch ein und beschreibt sie als \u201eUse after free in Dawn\u201c, der Chromium-Implementierung von WebGPU. Die \u00f6ffentliche CVE-Beschreibung identifiziert das Problem als remote erreichbar \u00fcber eine manipulierte HTML-Seite und als potenziellen Sandbox Escape: \u201eUse after free in Dawn in Google Chrome on Android prior to 153.0.8010.52 allowed a remote attacker to potentially execute arbitrary code outside the sandbox via a crafted HTML page. (Chromium security severity: Critical)\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6glicher Sandbox Escape<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Chrome Sandbox ist eine zentrale Sicherheitsgrenze, die darauf ausgelegt ist, den Zugriff exponierter Browser-Komponenten, die f\u00fcr die Darstellung von Websites zust\u00e4ndig sind, auf das zugrunde liegende Betriebssystem zu beschr\u00e4nken. Schwachstellen, die diese Grenze \u00fcberwinden k\u00f6nnen, sind daher besonders gef\u00e4hrlich. Der Exploit-Code kann \u00fcber einen Link zu einer Website bereitgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Google schreibt Florian Schweitzer die Meldung der Chrome-Schwachstelle am 8. April 2026 zu. Auch Arm nennt Schweitzer von Certitude Consulting \u00f6ffentlich als Entdecker von CVE-2026-9034.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Detaillierte technische Informationen werden w\u00e4hrend des Coordinated Disclosure-Prozesses bewusst zur\u00fcckgehalten, um keine Informationen bereitzustellen, die eine Ausnutzung erm\u00f6glichen k\u00f6nnten, bevor betroffene Systeme ausreichend gesch\u00fctzt sind. Weitere Einzelheiten werden zu einem geeigneten Zeitpunkt ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00d6ffentliche Referenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arm Security Advisory: CVE-2026-9034, September 8, 2026<br><a href=\"https:\/\/support.arm.com\/documentation\/111552\/1-0\/?lang=en\">https:\/\/support.arm.com\/documentation\/111552\/1-0\/?lang=en<\/a><br>NIST NVD: CVE-2026-9034<br><a href=\"https:\/\/nvd.nist.gov\/vuln\/detail\/cve-2026-9034\">https:\/\/nvd.nist.gov\/vuln\/detail\/cve-2026-9034<\/a><br>Google Chrome Security Announcement: CVE-2026-93374, September 17, 2026<br><a href=\"https:\/\/chromereleases.googleblog.com\/2026\/09\/stable-channel-update-for-desktop_0194356994.html\">https:\/\/chromereleases.googleblog.com\/2026\/09\/stable-channel-update-for-desktop_0194356994.html<\/a><br>NIST NVD: CVE-2026-93374<br><a href=\"https:\/\/nvd.nist.gov\/vuln\/detail\/cve-2026-93374\">https:\/\/nvd.nist.gov\/vuln\/detail\/cve-2026-93374<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian Schweitzer, Security Researcher bei Certitude Consulting, hat zwei schwerwiegende Schwachstellen in Produkten von Google und Arm identifiziert, die denselben Angriffsvektor im GPU Software Stack betreffen, der von modernen Webbrowsern und mobilen Ger\u00e4ten verwendet wird (CVE-2026-9034 und CVE-2026-93374). 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